"Eine Reset-Taste für den Geist ..."


DIE NEURO-CD UND WAS SIE FÜR MICH TUT 29.09.2007

1. Eine Reset-Taste für den Geist
Schon immer habe ich mir so etwas gewünscht. Irgendeine Vorrichtung, die es mir ermöglicht, nach einigen Stunden geistiger Tätigkeit richtig abzuschalten und die Batterien wieder aufzuladen, ohne dass ich dabei an Dinge denken muss, die noch zu erledigen sind. Eine Möglichkeit, den Geist in einen frischen und arbeitsbereiten Zustand zurückzuversetzen.
Mit der Neuro-CD von Centered Learning steht mir so ein Hilfsmittel endlich zur Verfügung.
Mein Tag ist meistens geteilt: Eine Hälfte verbringe ich zu Hause am Schreibtisch, lesend oder schreibend; die andere Hälfte ist dem Job oder anderen Pflichten gewidmet. Zwischen die Hälften schiebe ich meine Sitzung mit der Neuro-CD ein.
Diese 50 Minuten ersetzen mir jetzt den Nachmittagsschlaf (obwohl ich während der Sitzung nicht schlafe!). Besonders angenehm dabei ist, dass ich nicht mehr dieses desorientierte Gefühl im Kopf habe, das sich bei unregelmäßigem Schlafrhythmus einstellt („Welcher Tag ist heute? Habe ich gestern mit X geredet oder ist das schon zwei Tage her?“): Jetlag, im Grunde. Das ist vorbei. Nach der Neuro-CD-Sitzung fühle ich mich ausgeruht und „sauber“ im Kopf. Der Effekt auf das Gehirn ist wahrscheinlich ähnlich jenem, den eine Software wie Clean Sweep auf eine viel beschäftigte Festplatte hat. Ich kann, was immer ansteht, mit frischen Kräften in Angriff nehmen. 

2. Was mit der Wahrnehmung passiert
Seit ich die Neuro-CD regelmäßig höre, habe ich das Gefühl, deutlicher zu sehen - damit meine ich plastischer, dreidimensionaler, detailreicher.
Ich scheine auch mehr von dem zu hören, was sich in meiner Umgebung abspielt. Während ich mit etwas beschäftigt bin, schnappt mein Gehör nebenbei Informationen aus Gesprächen o.ä. auf; d.h. ich bin im Stande, konzentriert ein Buch zu lesen und doch Schlüsselwörter aus einer Unterhaltung herauszuhören, die im nächsten Raum stattfindet (nennen wir es den spy-effect).
Musik höre ich ebenfalls deutlicher im Sinne von plastischer; da sich dieses Wort dauernd aufdrängt – haben wir es hier mit erhöhter Neuroplastizität zu tun? Mein Eindruck ist, dass ich die Töne mit dem Gehirn wahrnehme, nicht nur mit dem Ohr. Die Neuro-CD bringt einen also auch dem Ziel Lernen mit dem ganzen Gehirn (Paul Scheele, PhotoReading (101 f.)) ein gutes Stück näher.
Bemerkenswert auch die Sache mit den Strukturen.
Plötzlich interessiert sich mein Geist immer und überall für Strukturen. Ist etwas – ein Sachverhalt, ein Text, ein Bild, eine TV-Sendung – strukturiert und wenn ja, wie? Dieser Analysemodus schaltet sich fast automatisch ein, wahrscheinlich ein Ergebnis von Neuro-CD und Lesetraining zusammen. Sogar in der Alltagskommunikation nehme ich sofort Strukturen wahr, was es mir leicht macht, bullshit von Information zu trennen. Allerdings werde ich jetzt meinen Mitmenschen gegenüber leichter ungeduldig.
Damit einher gehen der Wunsch nach Strukturen und das Bestreben, solche zu schaffen. Das hilft bei der klaren Formulierung von Absichten, nicht nur beim Lesen und Schreiben, sondern auch im Alltag. Fast automatisch strukturiere ich meinen Tag und bin in dieser (und in anderer) Hinsicht immer noch dabei, zu lernen und auszubauen.
Eine Erscheinung, die vielleicht nur auf den ersten Blick paradox wirkt: Ich sehe auf die Uhr, erledige konzentriert und wach die beabsichtigte Aufgabe, sehe wieder auf die Uhr und staune, dass nur so wenig Zeit vergangen ist. Demgegenüber steht der Flow Effect: Ich widme mich konzentriert meinen Aufgaben, vergesse darüber tatsächlich die Zeit, und ein Vormittag ist weg wie nix. 

3. Lesen und Erinnern
Wie ich oben schon schrieb: Ich glaube, besser sehen zu können. So nehme ich auch eine Buchseite plastischer wahr, der Text scheint etwas über dem Papier zu liegen. Mein Gefühl sagt mir, dass ich die wichtigen Informationen nur zu pflücken brauche. Meistens entdecke ich bei kurzem, einmaligem Hinsehen schon etwas Wichtiges.
Als Radiosprecher muss ich dauernd Texte lesen. Manchmal bleibt mir nicht viel Zeit, sie vorher durchzusehen. Jetzt spüre ich auch in ganz kurzer Zeit die Tippfehler auf, die mir gefährlich werden könnten. Außerdem hat sich meine Fähigkeit verbessert, noch während des Lautlesens Fehler im Fluge richtig zu stellen. Wahrscheinlich eine Frage der Konzentration und der Blickspanne.
Ein wichtiger Punkt, der auf der Neuro-CD angesprochen wird, ist das Vertrauen in das eigene Unbewusste. Ich hatte immer die irrationale Sorge, dass Informationen, die nicht in meinem bewussten Gedächtnisspeicher vorzufinden waren, überhaupt nicht da seien. Das hat sich jetzt gebessert. Es ist, als sei da eine Blockierung beseitigt worden. Wenn ich mich mit Leuten unterhalte, muss ich kaum mehr innehalten, um nach einem Namen, einem Filmtitel etc. zu suchen. Meistens steigt das Benötigte im richtigen Moment „aus meinen Tiefen“ auf.
Mitunter stellen sich beim Anhören der CD Erinnerungen ein, die weit zurückliegen – z.B. wie ich als Kind über einen Waldboden gelaufen bin. Diese Erinnerungen sind VAKOG-haft aufgeladen (wie man beim NLP sagt) – nicht nur der Geruch der wilden Preiselbeersträucher scheint mich zu umwehen, gleich spüre ich auch ihren säuerlichen Geschmack auf der Zunge ...

Christoph Pichler
38 Jahre, Radiosprecher, Bozen, Südtirol