Ist Gehirnjogging nutzlos?

Nein sagen die zahllosen Anbieter von Gehirnjogging-Methoden.

Ja sagen eine große Gruppe von internationalen Neurowissenschaftlern.

Dabei führt Gehirnjogging-Training durchaus dazu, dass man die geforderten Übungen nach einer Weile besser beherrscht als vorher. Allerdings haben die Forscher großen Zweifel daran, ob diese neuen Fähigkeiten im Alltag irgendeinen Nutzen bringen.

Aber lesen Sie selbst - der Artikel ist schon etwas älter, aber trotzdem noch aktuell.

05. Mai 2009, 16:09 Uhr

Leistungsverbesserung

Gehirn-Jogging ist nutzlos

Es ist ein Geschäft mit der Angst: Mit Pillen, Nahrungsergänzungsmitteln und Hirnjogging-Programmen versprechen Hersteller geistige Leistungssteigerung und Schutz vor Demenz. Nun sagen Forscher in einer gemeinsamen Erklärung: Die meisten dieser Produkte sind nutzlos.

Hirnjogging, Hirnpillen, Hirn-Food: Von Produkten, die unsere grauen Zellen auf Trab bringen sollen, profitieren nur die Hersteller, nicht aber unsere Gehirne. Das schreiben zumindest 30 führende Neurowissenschaftler, Psychologen und Altersforscher in einer gemeinsamen Erklärung.

 

Gehirntraining: Bewegung verbessert Aufmerksamkeit, Denkprozesse und das Gedächtnis
Corbis

Gehirntraining: Bewegung verbessert Aufmerksamkeit, Denkprozesse und das Gedächtnis

Das Geschäft mit Produkten, die eine Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit versprechen, floriert. Wissenschaftliche Studien, die die Wirkung der Pillen, Nahrungsergänzungsmittel und Computerspiele belegen, sind allerdings Mangelware. "Manche der Behauptungen [der Hersteller] klingen vernünftig, sind aber nicht belegt", schreiben die Wissenschaftler. "Andere sind weit hergeholt und manche sind bemerkenswert falsch."

"Die Erklärung bezieht sich vor allem auf kommerzielle Anbieter, die das Blaue vom Himmel versprechen", sagt Ulman Lindenberger, Direktor der Entwicklungspsychologie am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.

Manche Hersteller versprechen Leistungssteigerung, manche gleich den Totalschutz vor Alzheimer. "Es ist die Furcht vor Gedächtnisverlust, Demenz und Alzheimer, die viele Konsumenten verleitet, diese Produkte zu kaufen", sagt Laura Carstensen, Psychologin an der Stanford University.

Dabei ist die wissenschaftliche Datenlage dünn. Beispiel Ginkgo biloba: Bis heute gebe es keinerlei Belege, dass Ginkgo-Produkte die geistige Leistung verbessern oder ihren Abbau aufhalten, schreiben die Forscher. Nur bei einigen wenigen Nahrungsergänzungsmitteln konnte in großen wissenschaftlichen Studien eine Wirkung belegt werden.

Wenig nützlich sind nach Meinung der Wissenschaftler auch die meisten Hirn-Trainings-Programme. Zwar würde Software durchaus einen Effekt zeigen - jedoch nur bei bestimmten Aufgaben. Und im Alltag nützt das nichts.

Hirnjogging trainiert Fähigkeiten, die im Alltag nutzlos sind

"Ein Programm trainiert möglicherweise Ihre Fähigkeit dafür, sich Wörter zu merken", schreiben die Forscher. "Aber diese bestimmte Fähigkeit wird Ihnen sehr wahrscheinlich nicht dabei helfen sich daran zu erinnern, wo Sie Ihre Autoschlüssel gelassen haben."

Die Empfehlung der Wissenschaftler: Nur Produkte kaufen, die sich auf wissenschaftliche Belege stützen können. Und vor allen Dingen Misstrauen gegenüber Heilsversprechen in Sachen Alzheimer und Demenz.

So nutzlos also Gehirn-Jogging ist, so sinnvoll ist aber echtes Joggen, meinen die Forscher: "Wissenschaftler haben herausgefunden, dass regelmäßiges moderates Bewegungstraining die Durchblutung des Gehirns stärkt und die Bildung neuer Blutgefäße und Nervenzell-Verbindungen fördert", schreiben sie. Bewegung verbessere Aufmerksamkeit, Denkprozesse und das Gedächtnis.

Das Fazit der Forscher: "Wir sehen Bewegung als einen vielversprechenden Ansatz zur Verbesserung kognitiver Leistung."

Dennoch wollen die Verfasser nicht als technikfeindlich verstanden werden. "Die Erklärung soll die großen Potentiale moderner Technik für die soziale und geistige Anregung im Alter nicht generell in Frage stellen", betont Carstensen.

Lindenberger ergänzt: "Technik, wie beispielsweise das Internet und soziale Computerspiele, bieten gerade den in ihrer körperlichen Mobilität eingeschränkten Älteren die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und aufrechtzuerhalten." Daher sollten zukünftige software-basierte kognitive Trainingsprogramme diese soziale Dimension von vornherein berücksichtigen und ihre langfristige Wirksamkeit dann in Verlaufsstudien überprüft werden.

lub

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